Wie verhalten sich misshandelte Kinder?

Misshandelte Kinder haben ihren Eltern gegenüber oft zerrissenen Gefühle. Einerseits haben sie Angst und empfinden Hass oder feindliche Gefühle ihren Eltern gegenüber, andererseits lieben sie diese aber auch. Sie befinden sich innerlich in einem Konflikt und sind sogar bereit, sich selbst die Schuld an der Misshandlung zu geben.
Viele der misshandelten Kinder sind verängstigt, ziehen sich zurück und sind passiv in ihrem Verhalten. Sie sind außergewöhnlich folgsam und lassen alles über sich ergehen, um nicht den Ärger der Eltern oder anderer Erwachsenen auf sich zu ziehen. Das Unterdrücken ihrer Gefühlsregungen ist ihre Art mit beängstigenden Situationen fertig zu werden. Jede Reaktion der Eltern und deren Erwartungen werden erfasst und beobachtet, um diesen gerecht zu werden.

Früherkennung und Prävention von Kindesmisshandlungen

Früherkennung ist nicht das rechtzeitige Erkennen von bereits geschehenen Misshandlungen, sondern das frühzeitige Erkennen z.B. von Eltern-Kind-Beziehungen, die so stark belastet sind, dass eine Misshandlung vorhersehbar ist.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren bei deren Vorliegen ein erhöhtes Misshandlungsrisiko besteht. Solche Risikofaktoren können sein:

Vorgeburtliche Risikofaktoren:

  • es ist das erste Kind, Unerfahrenheit der Mutter
  • sehr junge Mutter unter 20 Jahren
  • schwere, komplikationsreiche Schwangerschaft
  • ausgesprochen hohe Erwartungen bezüglich des Kindes
  • Verleugnung der Schwangerschaft durch die Mutter
  • unzureichend materielle Voraussetzungen für das erwartete Kind
  • ungewolltes Kind

Risikofaktoren um die Geburt herum

  • schwere, schmerzhafte Geburt
  • Enttäuschung der Eltern über ein „falsches Geschlecht“ des Kindes
  • missgebildet geborenes Kind
  • Frühgeborene, die behandelt werden müssen und so von der Mutter getrennt sind
  • Trennung nach der Geburt (z.B. Krankheit der Mutter)

Risikofaktoren nach der Geburt

  • missgebildetes Kind
  • unruhiges „Schreikind“
  • Einnässen, Einkoten bei Kindern
  • Kinder mit vorübergehenden Heimaufenthalten

Wenn nun mehrere dieser Faktoren zutreffen kann man den Eltern spezielle Hilfe anbieten, aber ohne Kontrolle auszuüben. Dazu können Hausbesuche oder Kurse über Kindererziehung gehören.
Die Eltern sollten intensiv über Kinderpflege, die Entwicklung eines Kindes und die Schwierigkeiten, die auftreten können, informiert werden. Auch könnte die Ermutigung des Vaters, bei der Geburt dabei zu sein, hilfreich wirken.
Außerdem ist es wichtig einen engen Kontakt zwischen Mutter und Kind von der Geburt an zu erhalten. Dies gilt gerade auch für Eltern eines Frühgeborenen oder auf der Intensivstation liegenden Kindes. Der Zutritt zu den jeweiligen Stationen sollte auf jeden Fall für die Eltern erlaubt sein.